Managementmoden kommen und gehen, bestimmte Führungsprinzipien aber überdauern die Zeit

8. Mai 2014 Norbert W. Schätzlein Allgemein

Wie wirkt der nachstehende Werksauszug auf Sie?

Geworden ist ihm eine Herrscherseele,
Und ist gestellt auf einen Herrscherplatz.
Wohl uns, dass es so ist! Es können sich
Nur wenige regieren, den Verstand
Verständig brauchen – Wohl dem Ganzen, findet
Sich einmal einer, der ein Mittelpunkt
Für viele tausend wird, ein Halt; – sich hinstellt
Wie eine feste Säul, an die man sich
Mit Lust mag schließen und mit Zuversicht.
So einer ist der Wallenstein, und taugte
Dem Hof ein andrer besser – der Armee
Frommt nur ein solcher.
(…)
Und eine Lust ists, wie er alles weckt
Und stärkt und neu belebt um sicher herum,
Wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe
Gleich deutlicher sich wird in seiner Nähe!
Jedweden zieht er seine Kraft hervor,
Die eigentümliche, und zieht sie groß,
Lässt jeden ganz das bleiben, was er ist,
Er wacht nur drüber, dass ers immer sei
Am rechten Ort; so weiß er aller Menschen
Vermögen zu dem seinigen zu machen. 1

Dieser altertümliche und zuweilen sperrige Text klingt in seinen Aussagen nach moderner Führungspraxis, oder?

Wären Sie sehr erstaunt zu hören, dass diese Einschätzung einer Führungspersönlichkeit über 200 Jahre alt (1799) ist? Sie beschreibt Herzog Wallenstein, den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee im Dreißigjährigen Krieg und damit eine Zeit, die weitere 200 Jahre vor Friedrich von Schiller, dem Autor jenes Textes, zurückliegt.

Wallenstein-Kupferstich-2014

Schiller legte in seinem Drama jene Worte in den Mund Max Piccolominis, dem Assistenten Wallensteins.

Wir wissen heute nicht mehr wie Herzog Wallenstein als Führungspersönlichkeit wirklich war. Schiller stellt uns hier ein Bild einer idealen Führungskraft vor. Wenn wir uns auf diese Darstellung einlassen, können wir nachvollziehen, dass hier ein guter Chef zu neuem Leben erwacht.

Was ihn auszeichnet wirkt zeitlos attraktiv.
Die Gegenüberstellung der dichterischen Beschreibung und der Führungsmittel in einer Interpretation:

Wallenstein-Text-Interpretation-2014

Tja, wenn dieser Wallenstein heute noch leben würde, wäre er ein Fan von der time2talk-Methode2, dem systemgestützten Matching von Selbst- und Fremdbild im Umfeld eines konstruktiven Dialogs zwischen Mitarbeiter und Führungskraft.

Autor: Norbert W. Schätzlein

Quelle:
1: Schiller, Friedrich: Meisterwerke der Weltliteratur, Band 10, Wallenstein, Kabale und Liebe, München: Carl Hanser Verlag, 1999
2: www.siris-systeme.de

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