Besser als ihr Image – Autodidakten

9. April 2014 Norbert W. Schätzlein Leadership

 

 

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Besser als ihr Image – Autodidakten

Vita eines Karrieristen …

Kennen Sie das? Wer Karriere machen will, muss ein Super-Abi schreiben, an einer der Top-Universitäten studieren (incl. Auslandssemester), zielstrebig zum Abschluss kommen und oben auf am besten noch eine Promotion gesetzt haben. Dann ist der Weg frei für Top-Positionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Da ist schon was dran, wenn man die Vitae von manchem Manager oder Amtsträger studiert.

Einmalig oder austauschbar: „Das Klonen in deutschen Chefetagen ist schon ausgeprägt.“ 1

Verkürzt gesagt: wer studiert, was alle studieren, ist nichts Besonderes. Wer macht, was alle machen, ist ein Abziehbild des jeweiligen Zeitgeistes und wissenschaftlicher Paradigmen mit mehr oder minder großer Halbwertszeit. Aber tun das nicht alle, lernen, was herrschende Meinung ist? – Die Antwort hierauf ist so überraschend wie relevant: Autodidakten sind anders, und, sie setzen die entscheidenden Impulse für den Fortschritt in der Welt. Autodidakten stießen in „unverhältnismäßig großen Ausmaß (…) technologische Entwicklungsschübe“ an, „angefangen bei der Industriellen Revolution bis hin zur Entwicklung von Silicon Valley2.

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Autodidakten, die die Welt veränderten

Hier eine kleine Auswahl jener Menschen, die in Fachdisziplinen, wofür sie nicht akademisch vorgeprägt waren, die Welt veränderten:

– Tischler John Harrison (1693-1776), löste die nautische Herausforderung der Bestimmung des Längengrades mit seinen legendären Uhren H1 bis H5;

– Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe wurde zum vielbeachteten Naturwissenschaftler;

– Buchbinder Michael Faraday (1791-1867) wurde zum bahnbrechenden Experimentalphysiker und Pionier des Elektromagnetismus;

– Handlungsgehilfe Nicolaus August Otto (1832-1891) wurde mit seinem Otto-Motor zum Pionier moderner Fortbewegung;

– Telegrafist Thomas Alva Edison (1847-1931) fand 10.000 Möglichkeiten heraus wie eine Glühbirne nicht funktioniert und eine, die die Welt erhellte (er wurde zum Gründer des weltumspannenden Großunternehmens General Electric, USA);

– einst ein Tankwart, wurde Clint(on) Eastwood jr. (1930), auch als „Dirty Harry“ bekannt, zu einem der meistbeachtetsten Schauspieler, Regisseure und Produzenten in Hollywood;

– der Zimmermann Harrison Ford (1942) wurde zu „Indiana Jones“ und reüssierte in zahlreichen weiteren Rollen;

– Studienabbrecher Walt Disney (1901-1966) schenkte uns den Zeichentrickfilm;

Steve Jobs (1955-2011) brach sein Uni-Studium ab und eröffnete „Rebellen“ die digitale Computerwelt von Apple und noch viel mehr mit Kultstatus;

Richard Charles Nicholas Branson (1950) brachte es – ganz ohne Studium – zu einem der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit (Virgin Airlines) und zum Ritter seiner Majestät (Knight Bachelor); ihm verdanken wir u.a. die Produktion von Mike Oldfields erster Platte „Tubular Bells“;

Bill Gates (1955) schmiss das Studium und wurde zum Mitbegründer von Microsoft;

Mark Zuckerberg gründete lieber Facebook als dass er sein Studium zu Ende brachte;

Otto Waalkes (1948) brachte statt ein Pädagogikstudium zu beenden, Menschen zum Lachen, wofür ihm zwischenzeitlich gleich mehrere Generationen dankbar sind;

Die Liste könnte erstaunlich lange so fortgeführt werden mit Namen wie Eric Clapton, Mick Jagger, Brad Pitt, Julio Iglesias, Herbert Grönemeyer, Wolfgang Joop, Richard Gere, Ferdinand A. Porsche, Steven Spielberg, u.v.a.

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Benny Andersson (Klavier) und Björn Ulvaeus (Gitarre), die beiden Jungs von ABBA können Noten weder lesen noch schreiben. Sie prägten sich ihre neuen Lieder während der Entstehung ein, so dass sie diese später ihren Studiomusikern für weitere Arrangements auswendig vorspielen konnten. Zu dieser Methode sagten beide Künstler später, „dass ein Stück nur dann wirklich gut sei, wenn man es sich bereits bei der Entstehung gut einprägen könne“. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/ABBA)

– „Einige der brillantesten, kreativsten Menschen, die ich kenne, waren Schulversager“, schreibt der Bildungsexperte, Ken Robinson. Er erzählt unter anderem die Geschichte von Mick Fleetwood von der Band Fleetwood Mac, der sich der Vorstellung „dem Status quo zufolge zu nichts nutze“ zu sein verweigerte, Schlagzeuger aus Leidenschaft wurde, und dies, obwohl er die Sprache der Musik (Noten, etc.) nicht beherrscht.3

Unternehmerin und Selfmadefrau zu Gast bei „Pelzig hält sich“

Sina Marie Trinkwalder (1978), Gründerin des Textilunternehmens manomama, auf die Frage von Pelzig, alias Frank-Markus Barwasser, was sie denn gelernt habe:

„Ich hab‘ ein BWL-Studium erfolgreich abgebrochen, damit ich mein Resthirn erfolgreich konservier; weil für einen g’scheiten Unternehmer braucht’s nur vier Grundrechenarten (Pause) … und Bauch. (Pause) … Den hab‘ ich.“ 4

Tja, Autodidakt müsste man sein

Es muss wohl was dran sein: interessante Menschen sind Autodidakten. O.k., nicht immer, aber eben doch häufiger, als man vermuten würde. Doch außergewöhnliche Menschen sind für „normale“ Menschen zu exotisch und stoßen eher auf Ablehnung, obwohl aller Orten Diversität und Heterogenität gefordert wird.

Haben Sie als Personalentscheider diese Geschichte bei der Auswahl Ihres nächsten Bewerbers oder Trainers auf Ihrem Radar?

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Autor: Norbert W. Schätzlein, www.siris-systeme.de

Quelle:
1: Sattelberger, Thomas: „Binden, ohne zu ketten“, in: DIE ZEIT, Nr. 46, Wirtschaft, Seite 30, 7. November 2013
2: Taleb, Nassim Nicholas: Antifragilität, Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen, 3. Aufl., München: Albrecht Knaus Verlag, 2013, S. 71
3: Robinson, Ken; Aronica, Lou: In meinem Element, Wie wir von erfolgreichen Menschen lernen können, unser Potenzial zu entdecken, 1. Aufl., München: Arkana, 2010
4: in ZDF.Kultur vom 21.10.2013 bei Pelzig hält sich

 

 

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