Ausbildungsabbruch: Ein Makel im Lebenslauf?!

8. April 2013 Norbert W. Schätzlein Recruiting

Zum Berufsstart haben viele junge Menschen keine klaren Vorstellungen von dem, was sie in einer mehrjährigen Ausbildungszeit erwartet. Alles ist plötzlich anders: Umfeld, Zeiteinteilung, Rollenverständnis, Lernstoff, u.v.m..

Glücklich, wer sich hier anpassen kann, flexibel bleibt und engagiert. Doch nicht jeder arrangiert sich mit den neuen Herausforderungen. Mancher empfindet das Arbeitsverhältnis als unzumutbar bzw. sieht sich in seinen Erwartungen enttäuscht. Zeitlos aktuell kennt der Volksmund hierzu die Redewendung „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Männchen-jeder-Vierte-04-2013

Frust statt Lust: jeder vierte Azubi bricht die Ausbildung ab *)
Gründe sind schnell gefunden; hier nur eine kleine Auswahl:
– Konflikte mit Ausbildern
– schlechte Vermittlung von Ausbildungsinhalten
– ungünstige Arbeitszeiten
– ausbildungsfremde Tätigkeiten
– persönliche Gründe (Gesundheit, familiäre Veränderung)
– Beruf entspricht nicht Wunschberuf
– Berufsrealität anders als Berufsvorstellung

Augen zu und durch, also die Zähne zusammenbeißen und die Herausforderung annehmen? Oder doch eher die Reißleine ziehen und lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende?

„Null Bock …
… auf gar nichts“, ist auf jeden Fall zu wenig, um eine erfolgreiche Berufskarriere zu beginnen. Wir wachsen alle an Herausforderungen. Hindernissen auszuweichen ist zwar erlaubt, doch darf der Lebenslauf nicht zum Spiegel eines gescheiterten Eierlaufs werden. Biografien, insbesondere Lebensläufe werden ganz unterschiedlich gelesen und interpretiert. Die Bandbreite reicht von einer verständnisvollen Panne à la force majeur (Form der höheren Gewalt) bis zum unentschuldbaren Fauxpas als Indiz für fehlendes Durchhaltevermögen oder Zielstrebigkeit.

Ein uraltes Phänomen
„Die Jugend taugt heute gar nichts mehr“, hört man schon das eine oder andere Mal von Unternehmensseite. Neu, ist diese Einschätzung jedoch nicht, wie man an den folgenden Texten sieht:

„Diese heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird nie wieder so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten!“
babylonischer Kulturkritiker auf einer Tontafel (mind. 1.000 Jahre v. Chr.)

„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“
Aristoteles, griechischer Philosoph (384-322 v. Chr.)

„Weltlauf
Ein Mensch, erst zwanzig Jahre alt,
Beurteilt Greise ziemlich kalt
Und hält sie für verkalkte Deppen,
Die zwecklos sich durchs Dasein schleppen.
Der Mensch, der junge, wird nicht jünger:
Nun, was wuchs denn auf seinem Dünger?
Auch er sieht, dass trotz Sturm und Drang,
Was er erstrebt, zumeist misslang,
Dass, auf der Welt als Mensch und Christ
Zu leben nicht ganz einfach ist,
Hingegen leicht, an Herrn mit Titeln
Und Würden schnöd herumzukritteln.
Der Mensch, nunmehr bedeutend älter,
Beurteilt jetzt die Jugend kälter,
Vergessend frühres Sich-Erdreisten:
„Die Rotzer sollen erst was leisten!“
Die neue Jugend wiedrum hält …
Genug – das ist der Lauf der Welt!“
Eugen Roth, deutscher Lyriker und Dichter (1895-1976)

Patentrezepte für die Berufswahl gibt es nicht
Im Vorfeld einer Berufswahl ist es regelmäßig hilfreich die eigenen Denk- und Verhaltensweisen kennen zu lernen und mit den Anforderungen eines künftigen Berufes abzugleichen. Die derzeitigen verfügbaren Analyseinstrumente eignen sich jedoch entweder nur bedingt oder sind sogar kontraproduktiv in der Qualität ihrer Ergebnisse. Verbesserungsvorschläge treffen zwar bei den Kultusministerien und noch mehr bei den engagierten Lehrern auf Verständnis, aber alle Gespräche verlaufen im Sande, weil es – angeblich – am Geld fehlt. Damit bleiben die vollmundigen Worte rund um die Bedeutung und den hohen Stellenwert der Bildung nur Lippenbekenntnisse der Politiker.

*) Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2002, 2013

Autor: Norbert W. Schätzlein


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