Eine Vision ist gar nichts …

14. Januar 2013 Norbert W. Schätzlein Unternehmer-Cockpit

… wenn Sie nicht gelebt wird.
Eine Vision 1) ist alles worauf es ankommt, wenn wir sie an die Mitarbeiter im Unternehmen übertragen bekommen. Doch wie geht das? Dazu gleich mehr. Vorab müssen wir die diffusen Vorstellungen zu einer echten Vision abklären.

Was ist eine Vision überhaupt?

Augenblende-Fotolia

Erstaunlicherweise lässt sie sich einfach definieren. Eine gute Vision zeichnen drei Dinge aus:
A) kurz und knapp (max. ein Satz),
B) traumhaft (ambitionierte, bildhafte Vorstellung),
C) die Realisierung führt (praktisch automatisch) zu Innovationen.

Was eine Vision nicht ist …

Viele Unternehmen und Institute machen es sich bei der Findung einer Vision recht einfach. Da wird mal in einer Hauruckaktion die Werbeagentur beauftragt und nach einer schnellen Idee befragt, oder aber der Chef zeigt sich von seiner „Macher“-Seite und fasst das bisherige unstrukturierte Palaver seiner Mitarbeiter en passant zusammen mit den Worten: „Wir wollen die Besten sein.“ – Sorry lieber Chef, das war vom quick-and-dirty dann doch etwas zu viel „dirty“.
Die Erarbeitung einer guten Vision fällt einem nicht in den Schoß. Im Einzelfall und damit als Ausnahme ist ein blitzschnelles Heureka-Erlebnis möglich bei der Ideenfindung. Gewöhnlich aber entstehen Visionen in zum Teil mehrtätigen intensiven Arbeitstreffen, z.B. im Rahmen eines (Wochenend-)Workshops. Wer keine Vision hat, oder sich keine leisten will, dem hilft die schiere Unternehmensgröße. Großunternehmen sind wie die Megaliner auf den Weltmeeren und fahren auch mit abgestellter Schraube noch eine ganze Weile weiter.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ meint Altbundeskanzler Helmut Schmidt

Das wundert uns nicht, dass so eine Äußerung von der Politik kommt. Sie braucht auch nicht weiter kommentiert zu werden, denn Politik hat in unseren Zeiten scheinbar keine Vision, was zu bedauern ist. Sie kennt nur kompromisslose Belastungen für ihre Bürger bzw. ihr Personal (im Kontext zum Personalausweis). Siehe hierzu die Buchempfehlung weiter unten. 2)

Von der Vision zum Slogan

Die Soft-Version der Vision ist der Slogan. Während eine gute Vision auf Jahre hinaus in Stein gemeißelt sein sollte, kann sich der Slogan häufig ändern.

Interessanterweise sind bei eher großen Unternehmen die Slogans gefälliger wie die komplizierten Visionen. Die Vision kommt hier häufig sehr akademisch schwerfällig daher.
Slogans, die positive Emotionen wecken und zum sprichwörtlichen Punkt kommen sind z.B.: „Vorsprung durch Technik!“ (Audi) oder „Aus Freude am Fahren!“ (BMW).
„Die Schokolade für unterwegs.“, sagt alles aus bei Ritter-Sport, was zu sagen ist. Bei Amazon kann sich jeder selbst die Antwort geben, was besser ist: „All what you want online.“ (Vorschlag des Blog-Autors), oder: „Our vision is to be earth’s most customer centric company; to build a place where people can come to find and discover anything they might want to buy online.“ Bill Gates wird für die frühen 80er folgende Vision zugeschrieben: „I wonna be on everybodys PC.“ That’s it, lieber Bill, möchte man darauf erwidern. Heute heißt es bei Microsoft: „Create experiences that combine the magic of software with the power of Internet services across a world of devices.“ Gespannt sein darf man bei Google, was wohl auf die bisherige Vision folgt: „To develop a perfect search engine.“ Die dm-Drogeriemarktkette zeigt sich gar literarisch gebildet. Aus der Inspiration in Goethes Faust: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein.“ wurde: „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein.“

So jetzt haben wir die Vision, und dann?

Wie gelingt die Übermittlung an die Mitarbeiter? Jetzt beginnt die eigentliche Herausforderung für das Management: die Kommunikation zum Mitarbeiter hin.
Aus berufenem Munde, nämlich von Jack Welch, CEO of GE bis 2001, hören wir dazu: „Die Vision muss permanent wach gehalten werden – im Grunde, bis Ihnen geradezu davon schlecht wird.“ 3)

Und es ist dieser Prozess der Kommunikation an wirklich alle Mitarbeiter, den das browserbasierte System von SIRIS-Feedback leistet. 4)

Die Mitarbeiter müssen die Chance haben all das zu erfahren und nachzulesen, worauf es im Unternehmen ankommt. Das klingt zwar selbstverständlich; ist es aber nicht. Es gibt kaum Unternehmen, wo die Mitarbeiter in der Breite uns die Antwort auf die Frage nach der Vision und in der Folge Unternehmensleitbild sowie Führungsgrundsätze benennen können. Das Management bildet sich häufig ein, alles gesagt zu haben, hält aber in aller Regel nicht nach und damit verpuffen die blumigen Worte, die in einem System wie SIRIS-Feedback von zwei Seiten beleuchtet werden: im Selbstbild des Mitarbeiters und im Fremdbild der Führungskraft.

Fazit: Eine gute Vision ist bei KMU’s mühelos eine 6-stellige Zahl in Euro wert und bei großen Börsenunternehmen immer 7-stellig.

Autor: Norbert W. Schätzlein

Quellen:
1) lat. visio, „Anblick, Erscheinung“
2) Ederer, Peer und Schuller, Philipp: Geschäftsbericht Deutschland AG, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 1999
3) Welch, Jack und Welch, Suzy: Winning, Das ist Management, aus dem Englischen von Allgeier Herbert, Bangert Astrid, Bühler Maria, Lamerz-Beckschäfer Birgit und Vode Dzifa, Frankfurt/Main: Campus Verlag, 2005
4) www.siris-systeme.de

dm-Drogeriemarkt, Faust, Feedback, Goethe, Hier bin ich Mensch,


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